Seit 2005 bloggt Frank Baade als „Trainer Baade“ über Fußball, ohne sich auf eine bestimmte Mannschaft zu konzentrieren. Spielanalysen sind eher die Ausnahme bei der Themenauswahl vom Rekordbruch bis zu den Absurditäten, die von den Beteiligten fabriziert werden. Lange Zeit als das am meisten verlinkte Fußballblog in Deutschland gelistet, erhielt es kürzlich die Auszeichnung der 11Freunde als „Bestes Fanmedium 2011″“. Hier schreibt der Autor über die Geschichte dieses Blogs.

Der Betreiber des Blogs „Trainer Baade“ – ist das wirklich ein Trainer? Und ist er wirklich eine „Kunstfigur“? Ja und nein. Es gab wirklich einen „Trainer Baade“, er hat von 1997 bis vor einigen Jahren eine Fußballmannschaft trainiert, aber er war mehr ein Mädchen für alles als ein richtiger Trainer, der für taktische Tricks und Strategiewechsel je nach Spielstand verantwortlich war. Häufiger ging es um die Organisation rund um die Mannschaft: Termine mit Gegnern vereinbaren, genügend Verpflichtungen organisieren und ab 2001 auch Spielberichte über die eigenen Spiele zu verfassen, als es im Web noch keine Versionserweiterung gab, Kommentare und Interaktion aber ebenso schon möglich waren – und gerne genutzt wurden. Der Spielverlauf, kleine Anekdoten und die Bewertungen der Spieler wurden besprochen, selbst die Gegner hinterließen beim Besuch der Website gerne den einen oder anderen Kommentar.

Im Zuge des Hype – um das überstrapazierte Wort des Rummels zu vermeiden – vor der bevorstehenden WM 2006 in Deutschland suchte ein mittelständisches Internet-Magazin für die Zeit dieser schwellenden Vorfreude einen Kolumnisten und erfuhr über die inzwischen lokal bekannten Spielberichte von Trainer Baade als Autor der Wahl. Das dort gehostete „WM-Special“ war geboren, neben klassischen Kolumnen sollte auch ein Blog dazu gehören. Ein externer Grund, das Ganze als Blog zu betreiben, war weniger die Beliebtheit von Blogs als vielmehr der Bedarf an aktuellen Artikeln. Diese sollten in der Lage sein, sofort auf Fußballereignisse zu reagieren und nicht zeitaufwändig und kompliziert von einem CvD genehmigt werden müssen. Da die meisten Veranstaltungen im Profifußball abends stattfinden, sei ein jederzeit verfügbarer Zugang sinnvoll, könne aber nicht dazu führen, dass das gesamte Magazin mit einem falschen Klick auf den Orkus gelangt. Deshalb gab es ab November 2005 Trainer Baade auch in Blogform.

Die einzige Voraussetzung für dieses Projekt: Die Themen und Texte sollten unterhaltsam sein, nicht Ergebnis-Journalismus, sondern die subjektive Sicht von Klinsmann, Kaiser und Kahn vermitteln. Daran hält Trainer Baade auch heute noch fest, um seine objektiv subjektive Sicht darzustellen, auch wenn er das Ganze seit dem Ende der WM 2006 in eigener Regie weiterführt. Blogs zum Thema Fussball machen aber ohnehin nur selten Sinn, ausser mit einem subjektiven Touch. Die nackten Informationen über das Spiel stammen aus den alten Medien, wenn auch auf neue Art und Weise. Die Interpretationen, Einschätzungen, Liebesbezeugungen und eine kleine Portion wohldosierten Spottes werden von (nicht nur) Bloggern und ihren Kommentatoren hinzugefügt.

Kennzeichnend für diese Spielberichte war unter anderem, dass sie die eigenen Teilnehmer und ihre (sportlichen) Schwächen immer selbst in die Hand nahmen. Ein solcher Ton mag heute Standard in der intelligenteren Sportberichterstattung sein, aber in der Zeit von 1998 bis 2004, als Ribbeck und Völler DFB-Teamchefs waren, war dies bei weitem nicht der Fall. Gleichzeitig stand hinter dieser selbst erstellten Mannschaftswebsite der Wunsch, die neuen Möglichkeiten des Internets zu nutzen, um im kleinen Rahmen etwas zu veröffentlichen. Derselbe Impuls führte ab 2001 zur Veröffentlichung der einen oder anderen Kolumne zum Profifußball auf der längst untergegangenen Mutterschiff des Fußball-Blogging, auf blutgraetsche.de, die im Dezember 2005 plötzlich ihren letzten Atemzug tat. Trainer Baade“ ist also keine fiktive Figur, sondern nur ein Spitzname, der aus der realen Welt, aus einem bestimmten Teil des Lebens, dem praktizierten Fußball, importiert wurde.

Wie geht es weiter?

Aber Blogs sind nicht tot, Fußballblogs sind überhaupt nicht tot, es gibt immer einige, die nachwachsen, und auch Trainer Baade ist „immer an, immer an“. Da hinter all dem kein Masterplan steht, den Tocotronic nie geliefert hat, ist nicht klar, was als nächstes kommt. Sicher ist jedoch, dass die eigene Marke bei den subjektiv objektiven Texten im Blog bleiben wird. Wobei sich der Spott immer nur auf die Spieler, die Umstände und die Machenschaften rund um den Fussball richtet. Niemals die Tatsache selbst, sich für den Fussball zu begeistern und ihn zu spielen. Fragen, wie ernst Sie das Thema Ihres Blogs nehmen, werden seltsamerweise nur von Sport-Bloggern gestellt. Dabei sind es die Fashion,- Gourmet-, Foto- oder Reise-Blogs, die im Vergleich zu Fussball-Blogs völlig sinnlos sind.

Von Reporter1