» Sahara melange – ein Rezept, Afrika in den deutschen Mittelnorden zu holen - Feed Magazin

Sahara melange – ein Rezept, Afrika in den deutschen Mittelnorden zu holen

von Petra Hassan / 0 Kommentare
20.10.2011 um 17:57 Uhr

Zutaten:

1 Packung grünen Tee
2 Emaille Teekannen
1 Gaskocher oder Feuerstelle ansonsten tut es auch ein Herd :)
einige winzige Teegläser
viel Zucker
etwas Minze
1 Handvoll Sand
1 leuchtend blauer Baumwollschal
1 fliegender Teppich
5-25 schöne Kissen
1 Silbertablett
1 große, schöne Keramikschale
einige Löffel
1 Kater
1 Stück traditioneller Indigostoff (abfärbend)

optional: ein paar Freunde aus der Wüste mit Gitarre; falls (noch) nicht vorhanden, einige Karten für Konzerte von Tinariwen, Tamikrest, Bombino…

optional für Mädels: Hennabemalung an Händen und Füßen :)  

Rezeptbeschreibung: Der Geruch von bittersüß-schaumig gekochtem Grüntee Minztee – leicht karamellisiert – hängt permanent in meinem Zuhause herum, die nächtlichen Gedankenflüge mit dem Teppich kennen eh´ nur noch eine Richtung und die heißt Sahara und ohne blauen Schal gehe ich irgendwie schon lange nicht mehr aus dem Haus, eines Tages lag in meinem Briefkasten eine Handvoll Sand…

Was für ein Glück, wenn ab und an befreundete Tuareg spontan vor der Tür stehen, mal mit mal ohne Gitarre auf der Schulter, mit Grüntee und glänzend bunten Emaille-Teekannen im Gepäck….und dann ist es wieder da, das Gefühl von Sahara irgendwo im Mittelnorden in Deutschland. Katzenspuren aus blauem Indigostaub auf weiss lackierten Holzdielen tauchen dann wie von Geisterpfote in meiner Wohnung auf. Eine Spurensuche der etwas anderen Art, der Kater ist dann immer ganz besonders *tranquille*….und läuft noch einige Tage mit einer indigoblau gefärbten Nase herum.

Gekocht und gegessen wird eher traditionell – meistens aus einer großen leuchtend smaragdgrünen Keramikschüssel, auf einem Kobaltblau gefärbten Teppich sitzend, angelehnt an wundervoll bestickte Kissen. Begrenzter Bedarf für klassische Sitzmöbel. Mittlerweile befinden sich nur noch zwei Stühle in meiner Wohnung.

Und der Sound! Musik gibts immer nach dem Essen, ohne Musik wäre es irgendwie wie ohne Zähneputzen…..was für ein Glück, das gerade dieses Jahr neben Tinariwen, der wohl bekanntesten Tuareg Band überhaupt, weitere Musiker aus der Sahara unterwegs auf Tour sind. In Zeiten von Castingbands und Stimmchen die künstlich be- und verarbeitet werden, ist es eine Wohltat unperfekte, und doch irgendwie perfekte Musik zu hören. Musik, hinter der mehr steckt als nur das Erreichen der Summe X in den Verkaufszahlen, Musik mit einer Geschichte, Gefühl, Herz und Seele.

Diese Musik ist aber mehr als nur das; sie ist auch ein Sprachrohr, um auf die Lebens- situation der Tuareg allgemein aufmerksam zu machen. Es gibt den wunderbaren Dokumentarfilm „Agadez, the Music and the Rebellion“ von zerogravityfilms über die Kultur & Leben der Tuareg in der Sahara/Sahelzone und über den außergewöhnlichen Musiker Oumara Moctar „Bombino“ aus dem Niger, der wahrlich wunderbar Gitarre spielt und mit seiner Band absolut tanzbare Musik auf die Bühne bringt, die einen nicht still stehen lässt. Noch mehr Ohrwurmgefahr besteht beim neuesten Album Toumastin von Tamikrest, ein subtil-tiefgründiger Sound, der Sehnsucht nach den Weiten der Wüste weckt.

Das neue Tassili-Album von Tinariwen ist die perfekte Kombination von Tradition und Moderne. Mein derzeitiger Lieblingssong ist seit er veröffentlicht wurde *tènèrè taquim tossam*. Derzeitige Dosierung bei mir: mindestens einmal täg- lich…ahem…ja…. :) Tinariwen spielen übrigens hier in Deutschland noch ein Konzert, und zwar am morgigen Freitag, den  21. Oktober im Berliner Kesselhaus. Also würd´ ich sagen *negella negella*, wie man in der Tuaregsprache *los, auf auf* sagt. Kommt, seht und hört; lasst Euch entführen für einen Abend in die größte Wüste der Welt!

Aktuelle Konzertdaten und mehr Infos über alle Bands gibt´s auf den jeweiligen Internet- seiten, facebook und teilweise auch via twitter.

Links:

www.bombinoafrica.com

www.tamikrest.net.

www.tinariwen.com

www.zerogravityfilms.com

Über mich :) :

Aufgewachsen unter bayrisch blau-weißem Himmel, wohnhaft im Mittelnorden Deutsch- lands lebe ich ein Leben zwischen Sahara, Orient und Occident. Ranipink ist der Name meines kleinen Labels in dem der permanente *Inspirationssalat* aus meinem Kopf in handgefertigte Kleidung und Accessoires umgesetzt wird….als Entspannungsprogramm arbeite ich noch einige Stunden in der Woche bei H&M wenn ich nicht gerade mal wieder auf dem fliegenden Teppich unterwegs bin…

www.ranipink.blogspot.com

www.ranipink.de




Keine Kommentare zu Sahara melange – ein Rezept, Afrika in den deutschen Mittelnorden zu holen

Noch keine Kommentare



Hinterlasse einen Kommentar