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Reiseführer Crowdsourcing – Geocaching im Urlaub

von Regine Heidorn / 3 Kommentare
10.08.2010 um 07:15 Uhr

Crowdsource – die Masse als Quelle für Informationen – das trifft z. B. auf Geocaching zu. Beim Geocaching handelt es sich um eine internetvermittelte Art elektronischer Schnitzeljagd. Der Schatz wird mittels eines GPS-Gerätes  angesteuert, die Schatzkarte dafür aus dem Netz geladen.

So kann ein Geocache aussehen. Der Inhalt dieses Behälters besteht lediglich aus dem Logbuch. Es gibt jedoch auch größere Behälter, in denen alle möglichen Gegenstände (z. B. Bücher, aber auch Kleineres wie Schlüsselbänder oder Plastikfiguren etc.) getauscht werden können.


Das Loggen eines Caches ist eine unaufgeregte Angelegenheit – sofern er gefunden wurde, enthält er neben manchen anderen Dingen das obligatorische Logbuch. Ein kleines Notizbuch oder ein Papierstreifen, auf dem Datum und Uhrzeit des Fundes sowie der Accountname des Finders eingetragen werden. Daher: immer einen Stift mitnehmen. Spannender ist die Vorbereitung dafür und der Weg dorthin, sowie die Suche. Manche sind sehr gut getarnt. Der Weg zum Cache – hier fangen die Reiseführer-Qualitäten des Geocaching an! Ich habe für meinen Motorrad-Urlaub in diesem  Jahr sämtliche Routen mit Geocaches bestückt. Geplant war eine „Freundes-Runde“: es galt, gute alte und neue Freunde in 4
europäischen Ländern zu besuchen. Darunter z. B. auch das italienische Paar, das ich über Couchsurfing kennengelernt habe, zwischen Mailand und Gardasee. Das war zugleich der am weitesten von meinem Zuhause entfernte Punkt der Tour, die über 3 Wochen geplant  war und 4.700 KM lang wurde.

Das GPS-Gerät weist den Weg zum Geocache.

Jeder kann sich auf einer der Web-Plattformen wie geocaching.comnavicache.com, terracaching.com oder opencaching.de anmelden. Der Basis-Account ist in der Regel kostenfrei und damit ist schon sehr viel möglich. Die umfangreichste und aktivste Plattform ist geocaching.com: seit dem Start am 2.9.2000 bis heute sind dort über 1 Millionen Geocaches weltweit gelistet. Als GPS-Gerät reicht ein Gerät, das Richtung und Entfernung vom eigenen Standort zum Cache anzeigt. Mit dieser Basisfunktionalität muss für den Anfang nicht viel Geld investiert werden, solche Geräte sind, möglicherweise auch gebraucht, um 30-50 € erhältlich. Ebenfalls einen guten Einstieg bieten Newbie-Events oder die meistens monatlich stattfindenden Stammtische. In Berlin gibt es z. B. eine 6-teilige Serie von Caches, die als Kurs zur Einführung ins Geocaching aufgebaut ist.

Sammeln von Information an einer Cache-Station, hier an einem russischen 2.-Weltkriegsdenkmal.

Ja – und was hat das jetzt mit Crowdsourcing und Reiseführern zu tun? Ein guter Geocache liegt gerne an einem besonderen Ort – eine Ruine, ein Denkmal, ein besonders schöner Rastplatz, ein Lost Place (vergessene Orte wie z. B. die Abhörstation auf dem Teufelsberg oder die verfallene Skisprungschanze daneben) oder auch  touristisch interessante Orte wie z. B. der Fernsehturm. Geocaching gibt es in allen möglichen Varianten -  Fahrradcaching, Caches entlang von Wanderwegen, Motorradcaching (liebevoll „MoCaching“ abgekürzt). Für manche Geocaches wird Kletter- oder Tauchausrüstung benötigt; das wird jedoch deutlich angekündigt, so daß niemand Gefahr läuft, den Weg zum Cache vergeblich zurückzulegen.

Bild-Erklärung: Motorrad-Caching-Tour mit „Caches along the route“.

Der erste Cache am ersten Urlaubstag war gleichzeitig der 300. Geocache, den ich bis dahin gefunden habe. Als ich nach 21 Tagen wieder in Berlin landete, waren es 122 Funde  mehr in 5 Ländern. Reine Kilometerfresserei auf der Autobahn ist zum Touren mit dem Motorrad langweilig, also suchte ich mir Caches in eher abgelegenen Gebieten aus, um so an die weniger bekannten Dörfer und Straßen zu kommen. Die Rechnung ist aufgegangen: z. B. konnte ich in Österreich eine versteckte Bergstrasse ausmachen, an deren Rand ein Cache einen Lost Place markierte. Es handelte sich dabei um einen künstlich angelegten Wasserfall, den der Fürst von und zu Liechtenstein um 1830 bauen liess. Durch den Bau des Weltkulturerbes Semmeringbahn 1840 wurde die Wasserzuleitung unterbrochen.

Ein Cache extra für Motorradfahrer (MoCache) führte mich zu einem schönen Blick über das Elbtal bei Dresden.

Jedoch gab es auch Caches, die ich nicht finden konnte, ich schätze, so 20-30. Das ist natürlich etwas enttäuschend, schließlich ist ungewiß, ob die Gelegenheit zum Fund jemals  wiederkehren wird. Solch ein Cache war etwa in der Nähe des Beinhauses Kutna Hora in Tschechien versteckt. Da ich es ohnehin besichtigen wollte, ließ sich die erfolglose Suche verschmerzen.

Geocache an einem Lost Place in den Dolomiten

Einen Nachmittag hatte ich mir in Wien für den Schlosspark Schönbrunn reserviert. Dort ergiessen sich die Touristenströme aus den Bussen. Das übliche Programm besteht darin, das Schloß zu besichtigen, möglichst oft den Auslöser des Foto-Apparates zu betätigen und zur nächsten Sehenswürdigkeit zu eilen. Während ich meinen 1. Cache dort wieder ordentlich versteckte, fiel mir ein Mann auf. Er saß auf der Parkbank, schaute immer wieder auf  ein Gerät in seinen Händen und blickte suchend umher. Als ich bei ihm vorbeikam, teilte ich ihm mit, daß der Cache noch am Platze sei, ich hätte ihn gerade wieder versteckt. Wir kamen in‘s Gespräch und es stellte sich heraus, daß ich einen norwegischen Cache-Kollegen gefunden hatte. Er war für einen Kongress in Wien und wollte die Wartezeit bis zum Flug zum Cachen in Schönbrunn nutzen. So konnte ich diesen Nachmittag in angenehmer Gesellschaft mit einem Essen auf der Gloriette verbringen. Da Geocaches meistens in eher abgelegene Winkel führen, kreuzten wir den Weg einer Ringelnatter. Und trafen auf zahllose Eichkatzerl. Drei Tage später erhielt ich eine Nachricht über mein Profil auf geocaching.com: der Norweger bedankte sich für die freundliche Gesellschaft, lud mich ein, ihn zu besuchen und verfolgte nun anhand der von mir geloggten Caches auf der Website meinen weiteren Weg durch Europa. Derzeit ist er in Schweden unterwegs und ich folge virtuell seinen Wegen.

„MoCaching“-Urlaub 2010

Fazit: Für mich führte die Mischung aus Geocaches und Freunden zu einem einzigartigen Urlaubserlebnis. Durch die Caches konnte ich bemerkenswerte Orte und Gegenden besuchen, auf die ich durch die üblichen Informationsquellen niemals aufmerksam geworden wäre – der Masse der Geocacher, die die Caches geplant und gelegt haben und  damit ihre Ortskenntnis zur Verfügung stellen, ist der Erfolg dieser Art zu reisen geschuldet.

Text und Bilder sind unter der üblichen Creative Commons-Lizenz freigegeben: http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/. Quellenangabe für Text und Bild: Regine Heidorn, Feed-Magazin.




3 Kommentare zu Reiseführer Crowdsourcing – Geocaching im Urlaub


01 / von Max
10. August 2010 um 15:25

Sehr schöner Beitrag.

Neben der gezielte Caching-Tour bevorzuge ich bei längeren Motorradtouren auch die kurze Auflockerung und Pause, die so ein Cache am Wegesrand mitbringt.


02 / von Moellus
12. August 2010 um 13:04

Ah! Der Artikel zu den MoCaching Tweets! Danke! =)


[...] Einladung erreichte mich aufgrund meiner Anmeldung zum EarthCache Master: Earthcaches sind Geocaches, bei denen nicht die übliche Dose mit Logbuch gefunden werden muss. Um einen Earthcache zu loggen, [...]




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