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Location based services anyone? – standortbezogene Dienste im Netz

von Regine Heidorn / 7 Kommentare
28.09.2010 um 13:21 Uhr

Ein entscheidenender Vorteil aller standortbezogener Webservices ist, das man überall und jederzeit auf sie zugreifen kann.

Immer und überall ortbar zu sein, möglicherweise mit unkontrollierbarer Weitergabe der Ortsangabe in das Social Web – hört sich nicht gerade sexy an, eher wie ein Orwellscher Alptraum. Damit haben auch sog. location based Services (LBS) zu kämpfen, wenn sie Nutzer gewinnen wollen. Frühe Software wie etwa RADAR, das 2000 auf den Markt kam, nutzte die Daten aus dem WLAN zur Ortsangabe. Ein Jahr vorher kam das erste mobile Endgerät heraus, das ortsbezogene Daten auf der Basis von Postleitzahlen nutzte, um Informationen zu Wetter und Verkehr anzuzeigen. Die Entwicklung der Nutzung von Daten der jeweiligen Mobilfunkzellen und Zusatzausstattung von Handys mit GPS erfolgte Hand in Hand zwischen Anwendungs-Entwicklern und mobilen Providern. Sehr früh wurde krampfhaft nach nützlichen Anwendungsfeldern gesucht, wie etwa der Möglichkeit, Geschäfte oder Schnäppchen in der Nähe zu finden. Damit einher geht auch das Geofencing, die Anzeige von rein ortsbezogener Information verbunden mit dem Ausblenden anderer Angaben.

Ein erster solcher location based Service im sozialen Netz, Plazes aus Berlin, startete im August 2004: in Echtzeit konnte angezeigt werden, wer sich wo aufhielt verbunden mit einer Beschreibung, Fotos und Bewertung des Platzes, der so von einem „Place“ zum „Plaze“ werden sollte. Schnell kam das Datenschutz-Argument auf, und zwar als Gerücht über eine Nutzung der Datenbank durch die CIA. Jedoch wurde Plazes insgesamt so gut angenommen, daß bald viele Erweiterungen entstanden: im Blog konnte der eigene Ort automatisiert und aktuell angezeigt werden. Es gab mehrere Möglichkeiten, wie der Ort angegeben werden konnte: automatisch über unterschiedliche Computer, indem beim Start der Login mit einem bestimmten Platz verknüpft wurde. Oder über SMS bzw. Mail vom Handy aus.

Einen weiteren Schritt in Richtung Schutz der Privatsphäre ging Brightkite: 2005 entstanden die ersten Zeilen Programmiercode in Denver, Colorado. Der Check-In geht über eine mobile application. Mehrere Stufen von Sichtbarkeit lassen sich justieren: Familienmitglieder, Freunde, Bekannte, die entweder gar nichts sehen oder lediglich den Umkreis eines Ortes gezeigt bekommen. Wie groß dieser Umkreis sein soll, lässt sich ebenfalls vom Nutzer definieren. Zusätzlich kann die Privatheit bestimmter Orte festgelegt werden: das eigene Heim bekommt beispielsweise die Einstellung „diesen Ort nur Familienmitgliedern anzeigen“. Prinzipiell gibt es einen Privatheits- und einen Öffentlichkeits-Modus. Nutzer mit einer Vorliebe zur Selbstdarstellung können Letzteren wählen, wodurch möglichst viel nach aussen angezeigt wird. Wer es eher vorsichtig angehen möchte, kann durch den Privatheits-Modus sicherstellen, daß niemandem oder nur vertrauten Personen der jeweilige Aufenthaltsort angezeigt wird. Ebenfalls 2005 kauft Google Dodgeball, mit dem der eigene Ort über SMS angegeben werden konnte. Google erweitert den Service um die IP-Geolocation von PCs, mobiler Zellen-Positionierung und GPS – voilà, Google Latitude war geboren. 2008 zieht Yahoo mit Fire Eagle nach.

Abzeichen und Rangliste bei Foursquare

Im Frühjahr 2009 startet Foursquare, beteiligt ist einer der Gründer von Dodgeball. Foursquare bildet die Konkurrenz zu dem 2007 gegründeten Gowalla: beide Services setzen auf den Spieltrieb der Nutzer. Es können sog. Badges (Abzeichen) verdient werden, mit denen sich das Profil schmücken lässt. Bei Foursquare lassen sich sogar Bürgermeister-Ehren erwerben für die Orte, an denen ein Nutzer die meisten Check-Ins verzeichnen kann. Wer mehr als 10 Bürgermeisterschaften auf sich vereinigen kann, erhält ein Super-Bürgermeister-Badge! Dieser Charakter eines Real-Life-Games kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein eigenes Nutzungs-Szenario für location based Services nach wie vor im Dunkeln bleibt. Zwar kann es ein freundliches Angebot eines Cafes wie etwa dem St. Oberholz in Berlin-Mitte sein, seinem Bürgermeister eine Kaffee-Flatrate anzubieten. Allerdings ist dieses Angebot eigentlich nur reizvoll für Menschen, die das Cafe ohnehin besuchen; neue Kunden werden im seltensten Fall akquiriert.

Ebenfalls aus Berlin stammen aka-aki, deren Plattform aus einem Diplomprojekt an der Universität der Künste hervorging und seit April 2008 am Netz ist: nicht einfach nur der Ort wird angegeben, es geht um Begegnungen mit „den Menschen, die uns wirklich umgeben“.

Points of Interest

Von all diesen Services gibt es noch einige mehr, die hier nicht vollständig aufgezählt werden können. Gesucht wird nach nützlichen Anwendungsfällen oder Nischen. Mir für meinen Teil macht es zum großen Teil Spaß, mich auf Foursquare einzuloggen. Letzte Weihnachten konnte ich so eine Freundin aus Hamburg in Berlin entdecken und wir hatten schöne Feiertage zusammen. Manchmal kann ich sehen, daß einige meiner Bekannten gerne an ähnlichen Orten sind wie ich, gelegentlich treffe ich sie dort. Das ist dann jedoch verabredet oder Zufall. Zum guten Schluß möchte ich einen location based Service der anderen Art erwähnen: avoidr – benutzt Foursquare, um zu sehen, wo Deine Nicht-Freunde sind, damit Du sie vermeiden kannst.

Der Text ist unter dieser CC-Lizenz frei nutzbar. Quellenangabe: Regine Heidorn, Feed-Magazin. Bilder: Foursquare.




7 Kommentare zu Location based services anyone? – standortbezogene Dienste im Netz


01 / von Nils Barts
1. Oktober 2010 um 11:31

Irgendwie raff ich den ganzen Artikel nicht


02 / von Karsten
1. Oktober 2010 um 12:19

Hi Nils,
ein sehr schöner Kommentar; mußte Dir nochmal von Regine erklären lassen. Ich hab´s so ungefähr im dritten Anlauf geschnallt, oder jedenfalls beinahe.

Kommende Woche haben wir nochmal eine Fortsetzung im Programm, in der der Nutzwert der LBS für Otto Normalverbraucher beschrieben wird: die mobile Fahrplanauskunft der ÖPNV und der Railsnavigator der Deutschen Bahn; da wird dann etwas klarer was der Nutzen der standortbezogenen Dienste ist. Foursquare und Co. ist ja mehr eine Spielerei für Spezialisten (würde ich so sagen).
Gruß Karsten


03 / von Karsten
1. Oktober 2010 um 12:21

Ach so, und in Kürze stellen wir ein Videointerview mit unserem Programmierer Vincent online: dort erklärt er den Nutzen von QR-Codes in Print-Magazinen z. B. Das ist ja im Grunde dasselbe Thema


04 / von Nils Barts
1. Oktober 2010 um 13:15

Da bin ich ja beruhigt, dass ich nicht der Einzige bin, der das beim ersten Lesen nicht kapiert hat. Ich dachte schon, ich sei mit meinen 29 Jahren bereits zu alt für die neuesten Web-Geschichten ;-)


05 / von Regine Heidorn
4. Oktober 2010 um 08:34

Hi Nils,

wo hängt’s?


06 / von David Dabelstein
10. Oktober 2010 um 12:49

Über den ersten Kommentar von Nils Barts habe ich mich köstlich amüsiert. Ist ja schon ein bisschen nerdig, der Text. Ein “Place” wird zum “Plaze”, so so. Generell muss man sich wohl für diese Tech-Themen wirklich interessieren, dann spricht einen so ein Beitrag auch an. Live and let live.


07 / von Jörg Nabusch
12. Oktober 2010 um 00:36

“Mir für meinen Teil macht es zum großen Teil Spaß…”

Angst essen gutes Deutsch auf?




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