Leidenschaft in schwatzgelb
Borussia Dortmund begeistert derzeit schon wieder die Fußball-Bundesliga. Gleichzeitig boomt das Fanzine des amtierenden deutschen Fußballmeisters. schwatzgelb.de – gemacht von Fans für Fans – verzeichnet knapp 30.000 Zugriffe pro Tag. Das ist mehr, als ein gewisser Stadtteil von Gelsenkirchen Einwohner hat.
Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei derselbe, der die Mannschaft der Borussen vergangenes Wochenende zum 3:1-Heimsieg gegen das ungeliebte 1899 Hoffenheim getragen hat: Leidenschaft und Hingabe. Diese findet man in beinahe allen Texten auf Deutschlands populärstem Fan-Blog. Und natürlich die Liebe zu einem der traditions- reichsten Vereine der Republik, mit dem weltweit mehr als fünf Millionen Fans fiebern. Die Gründerväter von schwatzgelb.de sind Holger Sitter und Jens Volke, die im Sommer 2000 auf die Idee kamen, ein unabhängiges Magazin auf die Beine zu stellen. Ein Sprachrohr für die BVB-Fans sollte es werden – humorvoll, informativ, kritisch und mit viel Herzblut. Das Projekt war geboren.
Anfänglich war man froh über 100 Besucher am Tag. „Und dann ist das Ganze einfach immer größer und größer geworden“, sagt Sascha Roolf aus dem fünfköpfigen Vorstand und er klingt dabei so, als könne er sich das gar nicht erklären. Doch die harte Arbeit, die hinter dem Projekt steckt, ist offensichtlich. Denn nicht nur die Klickzahlen haben sich im Laufe der Jahre verbessert. Die Seite ist professioneller geworden, vielfältiger – und internationaler. Schon 2001 gab es einen englischen Bereich, der nach und nach immer weiter ausgebaut wurde. Heute kann man beinahe jeden Beitrag auch in der Weltsprache lesen. Das ist ein ganz besonderer Service für die „Borussen around the world“, die sich auf schwatzgelb.de in zahlreichen Gastbeiträgen vorstellen. Dort beschreiben Fans aus Schweden, Serbien, Russland, den USA oder Indonesien, wie sie zur Borussia fanden und Kontakt zum Verein halten.
In manchen Monaten notiert das aus etwa 30 Mitarbeitern bestehende schwatzgelb-Team mehr als 1,2 Millionen Zugriffe. „Das ist in etwa die Dimension, die der offizielle Internet-Auftritt von Eintracht Frankfurt verbucht“, kommentiert Roolf nicht ohne Stolz. Inzwischen wird schwatzgelb.de auch in überregionalen Zeitungen zitiert. Und natürlich helfen die beeindruckenden Zahlen bei der Arbeit: „Man hat es dadurch leichter an Pressekarten oder Interview-Termine zu kommen. Und je mehr Inhalte man bietet, desto mehr Leute spricht man an.“ Insgesamt sei die Zusammenarbeit mit dem Verein äußerst gut. „Da muss man dem BVB ein Kompliment machen, es ist immer ein sehr faires Umgehen miteinander, auch wenn wir ganz sicher nicht immer einer Meinung sind.“
Die Erfolgsstory des BVB-Fanzines ist umso bemerkenswerter, da seit den Anfangstagen sämtliche Arbeit ehrenamtlich erledigt wird. Viel Freizeit wird geopfert, ein Honorar bekommen die Redakteure und Webmaster dafür nicht. Dadurch gerät die Plattform bisweilen an ihre Grenzen. Pressekonferenzen werden verpasst, „weil die häufig zu Tageszeiten stattfinden, an denen wir arbeiten oder studieren müssen“, so Roolf. Um die Serverkosten zu decken, wird lediglich ein kleiner Online-Shop mit Fanartikeln betrieben.
Die redaktionelle Organisation beschreibt Roolf als „ziemlich anarchistisch“. Wer eine Idee, Zeit und Lust hat, kann loslegen. Einen Chefredakteur gibt es ebenso wenig wie klassische Themenvorgaben: „Manch ein professioneller Journalist würde sich da wahr- scheinlich die Haare raufen.“
Fällt die Arbeit im Moment eigentlich besonders leicht, da der BVB die Titelverteidigung im Visier hat und der Verein insgesamt ein exzellentes Bild abgibt? „Im Gegenteil. Es ist einfacher, in schlechten Zeiten zu schreiben und Fehlentwicklungen zu kritisieren, als positiv zu begleiten“, gibt Roolf zu und erinnert daran, dass diese schlechten Zeiten noch nicht lange zurückliegen. Im Jahr 2005 war Borussia Dortmund wirtschaftlich am Ende. Krasses Missmanagement hatte zu einem Schuldenberg in dreistelliger Millionenhöhe geführt, die Existenz von Deutschlands einzigem börsennotierten Verein hing am seide- nen Faden. Damals wurde vor allem das Forum auf schwatzgelb.de zur wichtigsten Dis- kussionsplattform für die besorgten Anhänger.
Der Blick in die Zukunft ist rosig. Für den Verein – und schwatzgelb.de, auch wenn die Seite „eine Größe erreicht hat, bei der man im Freizeitbereich ans Maximum stößt“, so Sascha Roolf. Denkbar sind vor allem weitere Schritte hin zu einem Printprodukt: „Wir haben bereits drei Mal eine gedruckte Ausgabe produziert, die dann bei Heimspielen kostenlos verteilt wurde. Die letzte hatte eine Auflage von 12.000 Exemplaren. Das ist ein spannender Bereich, in dem wir mit Sicherheit noch zulegen können. Außerdem ist es schön, die eigene Arbeit mal gedruckt zu sehen.“ Vielleicht gibt es die nächste Print- ausgabe von schwatzgelb.de ja im Mai 2012. Als Motiv für die Titelseite kämen dann möglicherweise eine silberne Salatschüssel oder ein goldener Pott in Frage.
5 Kommentare zu Leidenschaft in schwatzgelb
Hi Budd, Simon ist ganz sicher und definitiv BVB-Fan. Das darf er aber. Wir haben hier schon lange, eigentlich von Anfang an, die Distanz des “seriösen” Journalisten abgelegt. Schließlich schreiben wir hier ja nicht über einen Großkonzern, der Waffen in Krisengebiete verkauft oder sowas. Da wär´s natürlich was Anderes…
Werter Herr Wichma.., äh, Dwyer. Bevor Sie die Waffe anlegen: Halten Sie ein! Die einzig entscheidende Frage lautet doch wohl: Warum war der Platz so vereist, obwohl Kloppo Marcel Schmelzer aufgestellt hat?
Hatte mir schon gedacht, dass “Budd W. Dwyer” entweder für Herrn Grünk.. äh himself steht oder für Herrn Wichma… äh
[...] eines der größten Fanmagazine Dortmunds schwatzgelb.de – die im Übrigen auch gerade im Feed Magazin portraitiert wurden, wie auch Clubfans United vor einigen Tagen. Die Welt ist manchmal [...]




Kann es sein, dass der Autor selbst BVB-Fan ist. Wenn das mal nicht nach Hofberichterstattung klingt. Rölf Tupperwahn würde sich im Grabe… ach nee, der hat den Feuerunfall ja überlebt. Strohrum und Feuerwaffen sind gefährlich und haben im Stadion nix zu suchen. Wäre das nicht auch ein Thema für Herrn Grünke. Nichtsdestotrotz ein schöner Artikel.