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Individuelle Zeitungen online – Informationsfilter im Social Graph

von Regine Heidorn / 0 Kommentare
31.08.2010 um 13:33 Uhr

Gegen zu viel Information hilft nur – mehr Information. Diese auf den ersten Blick widersprüchliche Aussage ist nicht nur aus Lust am Paradox entstanden. Um individuell relevante Information aus dem trüben Teich des weltweiten Netzes zu fischen, werden Filter benötigt. Solche Filter waren bislang neben anderen die Zeitungen. Die Vielfalt ihrer Themensetzungen ermöglichte eine subjektive Auswahl. Seit der Massenverbreitung des Internets (dazu zählt sowohl die breite Verfügbarkeit von Netz-Anschlüssen als auch die Möglichkeit, Inhalte in breiter Masse im Internet zur Verfügung zu stellen) ist das Angebot an Information so unermeßlich geworden, daß wir uns ohne Filter nicht mehr orientieren können. Selbst Google kennt nicht alle Seiten des Internets: 2008 meldete Google die Indexierung von 1,000,000,000,000 (1 Billion) indexierter einzigartiger URL (http://googleblog.blogspot.com/2008/07/we-knew-web-was-big.html). Ob jemals die namengebende Anzahl von 1 Googol (10 hoch 100) URL erreicht werden kann?

Die ersten Filter waren Links, die von einzelnen Seiten auf andere Seiten verwiesen. Schnell entstand der Bedarf nach mehr Überblick, der durch Suchmaschinen und -portale abgedeckt wurde. Durch die Entwicklung zu Inhalten, die in thematische Portale wie z. B. Qype (Beschreibung und Bewertung von Orten) eingestellt wird, oder durch Echtzeitmedien wie Twitter, die das aktuelle Zeitgeschehen dokumentieren, ändern sich die Anforderungen an Informationsfilter. Relevant ist nun nicht mehr nur die Information an sich und ihre Aktualität. Relevant wird auch, wie sie in den jeweiligen Netzwerken zirkuliert. Hier kommt der Social Graph gewissermaßen als Meta-Filter zum Einsatz: Information, die sowohl im Facebook-Netzwerk eines Nutzers als auch in dessen Twitter-Netzwerk prominent zirkuliert, wird als relevant wahrgenommen. Das ist genau der Punkt, an dem Informationsfilter einsetzen, die aus dem Social Graph gefüttert werden.

Ein solcher Filter ist z. B. die Online-Zeitung twittertim.es (http://twittertim.es). Über den Twitter-Account eines Nutzers wird dessen Netzwerk auf Twitter durchforstet. Die Zeitung setzt sich aus Inhalten zusammen, die unter den vom Nutzer gefolgten Twitterern als Links zirkulieren. Und aus den Tweets einzelner Nutzer. Unter den Artikeln wird vermerkt, von wem sie getwittert wurden. So lässt sich ein schneller Überblick gewinnen,  welche Beiträge von wem als wichtig genug befunden wurden, sie über Twitter zu verbreiten. Und das ist eine  Entscheidung, die sich niemand leicht macht: wird zu viel redundante oder nichtssagende Information in die Twitter-Timeline eingespeist, läuft man Gefahr, Follower zu verlieren.

Seit es auf Twitter Listen gibt, in denen Twitterer andere Twitterer zusammenstellen, die zu bestimmten Themen informieren oder nach anderen Kriterien zusammengestellt sind, wie beispielsweise Teilnahme an einem BarCamp oder Wohnort, lässt sich auch aus den Listen eine Twittertim.es  zusammenstellen. Die jeweilige Twittertim.es selbst lässt sich auch wieder twittern – ein Meta-Meta-Filter sozusagen.  “News and Blogs Selected by People You Trust“ ist das treffende Motto – der Social Graph als Vertrauensfilter für Information. Twittertim.es ist nicht der einzige Service – paper.li und rivva social bieten Ähnliches (http://t3n.de/news/paperli-twittertimes-rivva-social-eigene-270691).

Für den individuellen Informations-Filter ist jedoch noch  eine andere Quelle unerläßlich: abonnierte Feeds. Feeds sind regelmäßig selbst aktualisierende Kurzformen von Meldungen (wie etwa neue Blog-Einträge) lassen sich in sog. Feedreadern oder im Browser speichern. Online-Services  wie Tabbloid (http://www.tabbloid.com) erstellen daraus Online-Magazine. Über das FireFox-Plugin feedly  (http://www.feedly.com) lassen sich personalisierte Feeds als Startseite im Browser anzeigen, ebenfalls in einem  Design, das an ein Online-Magazin erinnert. All diese Quellen können wiederum selbst als Quellen eingespeist oder auf  Twitter verfolgt werden. Eine solche Filterkette als Meta-Filter beschreibt Uwe Hauck unter dem Titel “Infofilterung:  Wie ich Social Media nutze, ohne in Infos abzusaufen“ (http://www.livingthefuture.de/?p=1126). Gegen zu viel  Information hilft nur mehr Information -nun wird deutlich, was es damit auf sich hat: Um Information einzugrenzen, wird Information über Filter und ihren sinnvollen Einsatz benötigt. Und wie schon die Print-Zeitung ist es denkbar, daß individuell konfigurierbare Zeitungen online wie offline zu einem weiteren Filter-Werkzeug werden.

Text und Bilder sind unter unser üblichen CC-Lizenz frei nutzbar. Quellenangabe: Regine Heidorn, Feed-Magazin.




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