Fritten, Fußball und Bier – Ein Interview mit Tobias Volke
1.) Hi Tobias, sag mal: Wer bist du, wo kommst Du her und wo treibst du dich herum?
Geboren und aufgewachsen bin ich in Niederbayern, direkt vor den Toren Österreichs. Und wir hatten einen großen Bolzplatz vor der Tür. Als Kind war das natürlich der Traum überhaupt. Was willst du mehr? Naja, man wird älter und schon sind irgendwann andere Dinge wichtig, nicht nur Fussball, Fussball und Fussball. Also musste ich mich zwangsweise um ernsthaftere Themen wie Schule, dann Studium, Arbeit und Geld kümmern.
Mit dem Computer kam ich schon sehr früh in Berührung. Allerdings war das noch eine Zeit ohne Internet, ohne weltweite Kommunikation und natürlich auch ohne Blogs. Als ich aber 1998 langsam begann, meinen weiteren Lebensweg zu planen, habe ich auch das Internet entdeckt. Der Rest kam dann so nach und nach.
Studiert habe ich Druck- und Medientechnik an der Hochschule München- da musste ich ja nicht ganz so weit weg. *Lach*. Nebenbei habe ich Webseiten erstellt und mich auch sonst in den Medien so durchgeschlagen.
Oft genug hört man über die Bayern, dass man sie nicht verpflanzen kann, weil wir uns überall anders niemals zu Hause und damit nicht wohl fühlen können. Dahoam ist eben Dahoam, woast scho! Ja und irgendwie trifft das auch auf mich zu. Ich brauche zumindest die Berge in Sichtweite, Seen um mich herum und unsere „Passt scho“-Mentalität. Das musste ich meiner Freundin auch erst alles behutsam erklären. Und weil das alles so ist, hatte ich bisher auch nicht das Bestreben nach New York, Berlin, Frankfurt oder Barcelona zu ziehen. Für mich ist München richtig. Hier bin ich heute mit einem Diplom in der Tasche, einem abgeschlossenen Volontariat, einigen Jahren Berufserfahrung immer noch und arbeite immer noch in der Medienbranche. Nebenbei habe ich natürlich auch andere Standbeine. Ich erstelle weiterhin Webseiten, mache Grafik und Layout, drehe Filme, fotografiere verdammt viel und schreibe haufenweise Artikel.
Deshalb bin ich eigentlich immer im Netz unterwegs, surfe, blogge, poste, bin in sozialen Netzwerken aktiv. Dabei konzentriere ich mich immer auf meine eigenen Projekte und recherchiere. Ich finde es wichtig, dass Herzblut in Webseiten steckt, so wie in meinem Fussball-Blog Fritten, Fussball & Bier, dem Kultur- und Medienmagazin/-blog Kultfetzen und bald auch mit www.das-ist-muenchen.de. Das wird ein Fotoblog über München, dem ich jetzt noch den letzten Schliff gebe. Einiges Anderes habe ich natürlich auch noch in Planung. Aber es kommt auch immer ein wenig auf meine Zeit an. Und ein bisschen ausspannen müsste ich auch mal wieder…
2. ) Erzähl kurz etwas über die Fußball-Nerd-Community. Wie habt Alexander (Endl) und Du Euch zum Beispiel kennen gelernt? Welche Vernetzungen online und im Real Life bestehen außerdem?
Die Fussball-Nerd-Community? Äh, ja es gibt schon so etwas, aber ich muss gestehen, ich bewege mich nicht mehr so viel darin. Das hat den Grund, dass sich in meinen Augen alles geändert hat. Früher war’s überschaubar. Wenig Leute haben gebloggt, man kannte sich. Heute habe ich den Überblick verloren, was ich aber nicht schlimm finde. Schön finde ich, dass ich dank Fritten, Fussball & Bier viele Leute kennen lernen durfte, von denen ein paar sehr gute Freunde für mich wurden. Einen davon will ich auch unbedingt erwähnen, auch aus dem Grund, da ihr ihn vor kurzem im Rahmen eurer Blogger-Interviews auch zum Interview gebeten habt. Alex von Clubfans United ist mir damals zusammen mit dem Ronny vom Weserblog bei einem gesponserten Bloggertreffen in der Münchner Allianz Arena über den Weg gelaufen und irgendwie hat die Chemie sofort gestimmt. Spätestens nach der folgenden durchzechten Nacht in München war klar, dass wir uns nicht nur per Email oder Skype – oder was auch immer – unterhalten werden, sondern gerne auch mal direkt bei einem Bier. Unvergessen ist für uns bis heute unser „Männerwochenende“ bei mir in München, als er, Ronny und ich die Stadt unsicher machten.
Unvergessen auch, weil es leider auch das letzte gemeinsame Treffen von uns dreien war. Ich weiß eigentlich gar nicht, ob ich das hier erzählen sollte, denn es macht mich bis heute echt traurig. Ronny hat uns nur ein paar Monate später vollkommen überraschend verlassen.
Alex, der mit Ronny ja schon länger sehr intensiv befreundet war, hatte die furchtbare Aufgabe, mir die Nachricht von Ronny´s Tod, die mich tief traf – zu überbringen. Für mich war es selbstverständlich, dass ich alles stehen und liegen lassen habe, um mich von einem guten Freund persönlich verabschieden zu können!
Also du merkst, es entwickeln sich aus der so genannten „Nerd-Community“ sehr schöne Freundschaften. Und das nicht nur zwischen uns Nerds selbst, sondern auch zwischen den Familien direkt. Alex hat mit Frau und Kindern im letzten Jahr sogar einen Teil seines Urlaubs bei uns in München verbracht und wir hatten einige Tage tierisch viel Spass mit der Truppe. Allein deshalb hat sich, das kann man wirklich so sagen, für mich persönlich das bloggen schon rentiert. An dieser Stelle kann ich hier vielleicht auch mal einfach sagen: Danke, Alex!
3.) „Fritten, Fußball & Bier“ war Dein erstes Blog? Seit wann gibt es das Blog? Wie kam es dazu?
Den Blog gibt es seit Juli 2006. Aber, und das will ich betonen, war ich keiner der „Hey-ich-blogge-wegen-Geld-und-der-Aufmerksamkeit-für-die-WM2006“-Blogger,sondern ich habe das bewusst einige Tage nach dem WM-Finale im Juli 2006 gestartet. Das Ganze ging aus einem Bloggingversuch von mir hervor. Eigentlich wollte ich ja, so wie es damals grad modern wurde, in meinem ersten Blog über mich und ein klein wenig über Fussball bloggen. Also viel Persönliches schreiben und wenig über andere. Da habe ich aber schnell gemerkt, dass das nicht so mein Ding ist. Über mich wollte ich nicht direkt schreiben. Aber über das was ich im Netz finde, was auf der Welt passiert, ob skurril, verrückt oder spannend, alles rund ums runde Leder, das hat mich gereizt. Und so hat sich ganz schnell mein persönlicher Blog zu einem Fussball-Blog gewandelt, weil ich nur noch übers Fußball geschrieben hatte. Deshalb wurde der erste Blog dann eingestampft. Gut, der war damals auch nur 5 Monate alt. Dann genoß ich erst einmal ausgiebig die Weltmeisterschaft 2006, risikoreich die Arbeit an meiner Uni-Diplomarbeit auf nach der WM verschoben und bin auf Deutschland-WM-Tour gegangen. Übrigens die Domain www.soccer-warriors.de enstand auch während der WM. Ich konnte in Nürnberg das WM-Spiel zwischen Trinidad&Tobago und England besuchen. Beeinflusst von den feierwütigen Fans und den aufopferungsvoll kämpfenden Spielern der Karibikinseln, wollte ich dann eine Fanseite über die T&T Nationalmannschaft machen. Irgendwie ist das aber dumm gelaufen und ich habe in der Nacht nach der Feier eine falsche Domain reserviert. Echt! Die Nationalmannschaft Trinidad&Tobagos trägt ja den Spitznamen SOCA WARRIORS und nicht SOCCER WARRIORS. Blöd, aber egal, denn für Fritten, Fussball & Bier hatte ich damit doch auch eine prima Domain gefunden.
4.) Wie sieht dein Blog aus? Was für Beiträge findet der geneigte Leser dort?
Das ist einfach und schnell erkärt: Auf Fritten,Fussball & Bier gibt es kuriose Geschichten, unglaubliches aus aller Welt, Rekorde, Ehrungen, usw. zum Thema Fussball und gelegentlich zum Thema Bier. Eigentlich bringe ich alles, was ich selbst unterhaltsam finde, wieder auf den Tisch, auch wenn es schon mal eine 5 oder 10 Jahre alte Geschichte ist. Natürlich gibt es aber auch brandaktuelles. Also, wer sich intensiver mit Fussball beschäftigt, der wird bei mir auch immer einige schöne Geschichten finden, da bin ich mir sicher.
Auf meiner Facebook-Fanseite gibt es übrigens unabhängig von dem Blog mehrmals am Tag Videos von geilen Toren und Aktionen, Links zu Fussball-Geschichten und auch tagesaktuelle Kurzinfos. Durch die Community entstehen dort teilweise sehr lustige Diskussionen um das ein oder andere Video und das wiederum finde ich einfach nur gut.
5.) Du hast bzw hattest gelegentlich mit Abmahnungen zu kämpfen? Worum ging´s denn da?
Ja so was nervt unglaublich. Ich betreibe die Seite ja nur privat und daher gibt es nicht wirklich einen großen finanziellen Gewinn. Ich freue mich, wenn sich das Projekt selbst trägt. Bisher bin ich jedes Mal wieder heil aus der Sache herausgekommen, doch ich muss immer Geld für meinen Anwalt bereitstellen. Ich habe mir da schon mal überlegt, ob Fritten, Fussball & Bier nicht langsam ein zu teures Hobby für mich wird, aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es mir erstens zu viel Spass macht, die Leute zu unterhalten und ich mich zweitens nicht einfach so unterbuttern lasse. Und ich hatte das Glück einen super Anwalt zu finden, der mich da jedes Mal gut vertreten hat, der mich aber auch in dem was ich mache unterstützt, indem er mir einfach erklärt hat, dass ich eigentlich gar nicht so viel falsch mache. Viel eher habe ich das Problem, dass ich mit meiner Seite inzwischen doch relativ viel Aufmerksamkeit im Netz errege und das dass wiederum nichts anderes bedeutet, als dass jemand mit den Abmahnungen Geld verdienen wollte.
Ein Mal bin ich einem richtigen Drücker-Anwalt begegnet. Lange kam „nichts rechtlich einwandfreies und verwertbares“, wie mein Anwalt das so schön formulierte, dafür aber Drohanrufe, Drohbriefe und ständig Mahnungen, undefinierbare Rechnungen, Mahn- gebühren schon auf der allersten Rechnung, und so´n Zeug. Klingt komisch, ist aber so.
6. ) Wie geht´s mit „Fritten, Fußball & Bier“ weiter? Wie sehen Deine persönlichen Zukunftspläne aus?
Tja, wie geht es weiter… Die Frage ist gut und irgendwie kann ich sie dir nur teilweise beantworten. Klar, man hat viele Zukunfspläne, aber ob die realistisch sind? Jetzt nach 6 Jahren bloggen auf Fritten, Fussball & Bier, nach bald 3.000 geschriebenen Artikeln und nachdem ich eine doch ganz respektable Facebook-Fanseite an den Start gebracht habe, gibt es eigentlich nicht mehr so viele Pläne. Mir gefällt es, wie es läuft, dass es überhaupt läuft und dass ich Leute damit unterhalten kann. Das will ich auch in der Zukunft weiter machen. Leute unterhalten, informieren und das mit meinem persönlichen Lieblings- thema, dem Fussball. Was gibt es schöneres auf der Welt als das? Ach ja, schöner vielleicht nicht, aber notwendig. Geld verdienen. Von diesem Ziel habe ich mich allerdings mit dem Blog schon lange verabschiedet. Die paar Euros, die hier herumkommen, reichen für einige Feierabendbiere und für die Unkosten… Für mehr nicht, was solls. Das wichtigste ist, das es weiterhin Spaß macht.
Und wenn Ihr Euch mal wundert, warum ich mal nicht so viel schreibe, dann wisst Ihr ja jetzt: Full-Time-Job in der Medienbranche, mein Online-Verlag Fehlfarben.net, mit so schönen Sachen wie den Kultfetzen oder Filmerei, Fotografie, Fotoblog, und so weiter… Das ist wohl das Los eines Allrounders, aber mir gefällt das: Schreiben, Filmen, Fotografieren, Designen, Programmieren, all das gehört für mich dazu.
Was ich in der Zukunft damit noch mache? Keine Ahnung, irgendwas hat sich immer ergeben.
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