Einen wahren König zum Nachbarn…
(Simon Grünkes Sittengemälde – Teil 2): Ich bin zurück. Und dass im Münsterland gerade fast höhere Temperaturen herrschen als in Florida, ist leider nicht die einzige Überraschung. Meine Eltern feiern eine große Geburtstagsparty, ein langjähriger Jugendfreund heiratet, ich wollte die Sonne im Garten genießen und nebenbei ein paar überfällige Projekte im Homeoffice abschließen. Es hätte alles so entspannt werden können. Leider war mir nicht bewusst, dass hier gerade jene Phase des Sommers vorherrscht, in der man das Münsterland ganz dringend weiträumig meiden sollte: Schützenfest-Zeit.
Früher hielt sich der Lärmpegel in diesem Teil der Kleinstadt noch in Grenzen, aber dieses Mal haben sich die Götter für mich eine besonders schwarze Komödie ausgedacht: Ein Nachbar auf der anderen Straßenseite hat am Wochenende im üblichen Vollrausch offenbar einen dieser albernen Holzvögel von der Stange geholt. Nun ist er König einer dieser degenerierten Schützengesellschaften. Was zur Folge hatte, dass seine Hofnarren ihn mitten in der Woche um 2:30 Uhr mit Pauken und Trompeten aus dem Schützenzelt nach Hause geleiteten. Ob sie ihn auch auf einer Sänfte trugen, ist nicht überliefert.
Für Zugezogene mag es manchmal unfassbar sein, was hier in diesen gut zwei Wochen vor sich geht. Im Münsterland ist es schlicht eine völlig normale, dafür aber außergewöhnlich alkoholdurchtränkte Tradition. Ich habe auch den Eindruck gewonnen, dass offenbar die gesamte Bevölkerung einen Großteil ihres Jahresurlaubs für das Dauer-Delirium opfert.
Am nächsten Tag ging’s dann übrigens weiter. Da lud der Herrscher zu Bier und Frikadellen in seinen Garten. Und dann kamen sie. Von überall her, begleitet von der immer gleichen, monotonen Flötenmelodie. In weißen, im Schritt oft leicht gelblichen Hosen, dazu grüne Jacketts, die schweißnassen Haare zumeist glatt zurückgekämmt, die ersten Untertanen nach zahlreichen Frühschoppen schon schwer schwankend. Denn ähnlich wie am 1. Mai oder am 2. Weihnachtsfeiertag (“Stephanus steinigen”) durchziehen die Innenstädte des Münsterlands während der Schützenfest-Saison schon um die Mittagszeit die ersten Kotzpfützen.
Ein Königreich für ein kräftiges Gewitter.
Der Text ist unter dieser Creative Commons-Lizenz zur Nutzung freigegeben. Quellenangabe: Simon Gruenke, Feed-Magazin.



Das kenn ich irgendwoher…
Hatte während der Schützenfestwoche auch nachts um halb drei das Vergnügen, dass eine Kapelle quasi durch mein Schlafzimmer getorkelt ist…
Für ungefähr 15 Minuten hatte ich konkrete Mordgedanken!
Bin dann jedoch vor der Realisierung wieder entnervt eingeschlafen!
Genießen wir die Zeit bis Karneval, dem nächsten Ausnahmezustand!
Liebe Grüße aus dem Münsterland an den Verfasser dieses Artikels!