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Das lange Gedächtnis des Internets

von Tommy Heyn / 2 Kommentare
24.07.2010 um 22:14 Uhr

(Tommy Heyns Personensuchmaschinen-Artikel aus unserer Preview-Ausgabe):

„Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi“. Etwas banal (und für hässliche Grußkarten missbraucht), aber doch irgendwie treffend ist diese Weisheit von Kees Snyder. Für unsere Aktivitäten im Internet ist es allemal ein passendes Bild. Wir hinterlassen Spuren, die bleiben. Bewusst, wenn wir uns in sozialen Netzwerken präsentieren, Kommentare oder Blogbeiträge schreiben, aber oft auch ohne es zu wissen. Spuren, die gefunden werden.

Technisch möglich und wirtschaftlich verheißungsvoll, war das Aufkommen von speziellen Personensuchmaschinen nur eine Frage der Zeit. yasni ist einer dieser Anbieter und nach eigenen Angaben mit über 30 Millionen Zugriffen pro Monat der Marktführer in Europa. Die Suchergebnisse sind dabei weitaus umfassender als bei normalen Suchmaschinen und werden übersichtlich nach Quellen geordnet angezeigt. Neben der Personenrecherche bietet yasni auch die Möglichkeit, an der eigenen Online-Reputation zu arbeiten, wichtig vor allem für Leute, die z.B. aus beruflichen Gründen, gefunden werden wollen. In jedem Fall kann die Frage, „Was findet, wer online nach mir sucht?“, recht spannend sein.

Als Träger eines recht seltenen Namens war ich froh, keine Namensvetter zu haben, mit denen man ungern in Verbindung gebracht werden will: Ein Unternehmensberater aus München, ein jüdischer Rabbi und ein irgendwie im NDW-Bereich agierender Musiker – sicherlich nicht die schlechteste Gesellschaft. Die tatsächlich zu mir passenden Ergebnisse überraschten mich weniger. Etwas irritiert war ich lediglich davon, dass meine Amazon-Wunschliste auch gelistet ist. Dass diese öffentlich einsehbar ist, war mir bis dato nicht bewusst. Wer nicht will, dass die persönlichen Leseinteressen jedermann preisgegeben werden, kann seine Wunschlisten im Amazon-Mitgliedskonto auf „privat“ stellen. An diesem Beispiel wird deutlich, wie die Arbeit am guten Online-Ruf aussehen kann. Erst wer weiß, welche Informationen zum eigenen Namen online sind, kann versuchen die Verbreitung unliebsamer Einträge durch die entsprechenden Quellseiten zu verhindern.  Das kann manchmal sehr einfach sein, wie beim Wunschlisten-Beispiel durch einen einzigen Klick, häufig müssen aufwändigere Wege beschritten werden, unter Umständen rechtliche. Neben dem simplen “search and destroy” hat man bei yasni die Möglichkeit, ein persönliches Exposé anzulegen, und diesem nur jene Suchergebnisse hinzuzufügen, die man selbst für wesentlich und repräsentativ hält. Sucht dann jemand über Google und Co. nach ihrem Namen, findet sich das Exposé unter den ersten angezeigten Treffern.

Wo Daten gesammelt werden, regt sich naturgemäß das Interesse der Datenschützer.  Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Datenschutzzentrums Schleswig-Holstein, sieht in Personensuchmaschinen „Internet-Fahndungsinstrumente für Jedermann und Jedefrau“, die für die „Objekte der Suchbegierde schlimme existenzielle Konsequenzen bewirken“ können. Allerdings kann man dagegenhalten, dass Dienste wie yasni  nur schneller und unkomplizierter das ans Tageslicht befördern, was theoretisch auch über normale Suchmaschinen gefunden werden kann.  Problematisch ist allerdings, dass yasni zu jedem Namen, der jemals in die Suchmaske eingegeben wird, eine Seite mit den gefundenen Ergebnissen anlegt und diese speichert. Laut yasni-Gründer Steffen Rühl werden keine personenbezogenen Profile ohne Wissen der Betroffenen erstellt. Was aber unterscheidet die personenbezogenen Informationen die in den automatisch generierten Namensraumlisten gespeichert sind, von einem Profil? Martin Mißfeldt, Künstler und Website-Optimierer beklagte zudem, dass in yasni-Suchergebnissen Bilder auftauchen, die eindeutig als urheberrechtlich geschützt gekennzeichnet sind, und rief auf seinem “tagseoblog” zur gemeinsamen Abmahnaktion auf.

Was bleibt ist ein etwas fader Beigeschmack von Diensten wie yasni und die Erkenntnis, dass man gut überlegen sollte, wie man im Netz agiert. Denn wir hinterlassen Spuren, die gefunden werden und die sich oft nur schwer wieder entfernen lassen. Getreu der Weisheit von Kees Snyder. Wer sich hinter diesem Namen eigentlich verbirgt, konnte mir übrigens weder google noch yasni beantworten.

Der Artikel ist über diese Creative Commons-Lizenz frei gegeben. Quellenangabe: Tommy Heyn, Feed-Magazin. Tommy Heyn ist freier Redakteur beim Feed-Magazin.




2 Kommentare zu Das lange Gedächtnis des Internets


01 / von fschuetz
26. Juli 2010 um 12:09

Vielen Dank für den informativen Artikel! Ich gehe mal direkt auf ein paar Punkte ein, ok?

@”Etwas irritiert war ich lediglich davon, dass meine Amazon-Wunschliste auch gelistet ist.”
=> Guter und wichtiger Punkt! Es kommt sehr häufig vor, dass Nutzer über Yasni nach ihrem Namen suchen und sich dann wundern, dass die Amazon-Wunschliste als Ergebnis angezeigt wird. Viele wissen eben nicht, dass diese öffentlich einsehbar ist und erst manuell für Suchmaschinen gesperrt werden muss. Tolles Beispiel, wie Yasni bei der Rufpflege im Netz helfen kann…

@”Was aber unterscheidet die personenbezogenen Informationen die in den automatisch generierten Namensraumlisten gespeichert sind, von einem Profil?”
=> Personen können mit ihrer E-Mailadresse ein kostenloses Exposé (=Profil) bei uns anlegen, um sich von Namensvettern abzugrenzen, ihren Ruf zu pflegen und sich Mitarbeitern, Geschäftspartnern, Personaler und neuen Kunden optimal im Netz zu präsentieren. Was man unterscheiden muss, sind Suchergebnisse zu einem Namen(!) und dem Exposé zu einer Person! Wir zeigen nur Ergebnisse an, die frei im Netz verfügbar sind und somit auch von anderen Suchmaschinen gefunden werden. Und dann gibt es ja noch unser Exposé:

http://www.yasni.de/expose

@”Was bleibt ist ein etwas fader Beigeschmack von Diensten wie yasni und die Erkenntnis, dass man gut überlegen sollte, wie man im Netz agiert.”
=> Wichtig ist, dass man die Chancen nutzt, die Dienste wie Yasni einem bieten. Zum einen Waffengleichheit: Auch ich kann einfach prüfen, was der Personaler über mich im Netz finden kann. Dann lege ich mir das Exposé an und bestimme, wie ich im Netz sichtbar bin.

Wenn ich z.B. als “Redakteur” im Netz als Experte gefunden werden will, dann sieht das so aus:

http://www.yasni.de/redakteur/person+suche?query=Redakteur&psi

;-)

Viele Grüße vom Yasni-Team aus Frankfurt und weiterhin viel Erfolg mit dem Feed Magazin!


02 / von Karsten
26. Juli 2010 um 13:28

Hallo Herr Schütz,

vielen Dank für den Kommentar, die netten Grüße und die guten Wünsche! Finde ich toll, dass Sie einen Artikel, der sich nicht einseitig positiv mit dem Thema Personensuchmaschinen beschäftigt, so gut aufnehmen und sich an der Diskussion beteiligen.

Beste Grüße,
Karsten Marowski




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